Was ist Keratokonus?

Unter Keratokonus versteht man eine nicht-entzündliche, vermutlich genetisch bedingte Erkrankung, die ausschließlich die Hornhaut des Auges betrifft.

In Folge dieser Erkrankung verdünnt sich die Hornhaut und wölbt sich kegelförmig vor. Durch diese Formänderung wird der Lichteinfall des Auges gestört: Die Abbildung wird verzerrt.

Keratokonus ist eine fortschreitende Erkrankung, das heißt im Verlauf muss man mit einer weiteren Verdünnung und somit mit einer weiteren Vorwölbung und schlechter werdenden Sehkraft rechnen.

An einem Keratokonus kann man aber nicht erblinden! Die Sehkraft wird zwar schlechter, kann aber in den meisten Fällen mit Hilfe von speziellen Kontaktlinsen recht gut korrigiert werden.

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Abbildung 1 - deutlich vorgewölbte Hornhaut bei Keratokonus

Ursache und Verbreitung

Die Ursache dieser Erkrankung ist sehr wahrscheinlich genetisch bedingt.

Immer wieder gibt es Untersuchungen, die zeigen, dass es familiäre oder regionale Häufungen von Erkrankungen gibt, die diese These untermauern. Somit muss man von einer Vererbbarkeit der Erkrankung ausgehen.

Wer betroffen wird, kann nicht vorausgesagt werden. Von 10.000 Menschen sind ca. 5-6 Personen an Keratokonus erkrankt.

Der Name „Keratokonus“ leitet sich aus dem Griechischen und dem Lateinischen ab: Keras = das Horn und Konus = der Kegel. Diese Bezeichnung beschreibt schon recht genau, was mit der Hornhaut des Auges passiert.

Durch Störung der Stoffwechselvorgänge in der Hornhaut des Auges kommt es zu einer Verdünnung an einer zentralen Stelle der Hornhaut oder etwas nach unten dezentriert. An dieser Stelle kann die Hornhaut dem bestehenden Innendruck des Auges nicht mehr genug Stabilität entgegensetzen und die Hornhaut wölbt sich kegelförmig nach außen vor.

Am Beispiel eines Luftballons wird es verständlicher. Nimmt man einen normalen Luftballon vor dem Aufpusten in die Hände und zupft an einer Stelle das Material etwas dünner, so kommt es während des Aufpustens an dieser Stelle zu einer kleinen Ausbuchtung. Das Material wölbt sich an der dünner gezupften Stelle aufgrund des inneren Luftdrucks nach außen. Genau so passiert es beim Keratokonus auch an der Hornhaut des Auges.

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Abbildung 2 - Hornhautdicken-Messung, die deutliche Verdünnung ist sichtbar

Betroffen von dieser Erkrankung ist immer nur die Hornhaut des Auges. Alle übrigen Bereiche des Auges sind vollkommen gesund und voll funktionsfähig.

Da unsere Hornhaut aber unser „Fenster“ des Auges ist, geht die Lichtbrechung hier an der ersten Eintrittsstelle durch diese unregelmäßige Oberfläche bereits schief. Der Lichtstrahl landet zwar im Auge, wird aber nicht so gebrochen, dass ein scharfes Bild auf der Netzhaut entsteht. Tatsächlich kommt es in der Abbildung zu Streuung und Unschärfen, das Sehen ist deutlich eingeschränkt.

Anzeichen und Symptome

In den meisten Fällen kommt es im späten Jugend - / frühen Erwachsenenalter zur Erstdiagnose. Ganz klassisch wird ein Betroffener im Rahmen des Führerscheinsehtests auffällig.

Die Erkrankung beginnt schleichend und meist unerkannt, da im Regelfall ein Auge stärker betroffen ist als das andere und das bessere Auge den Sehprozess weitgehend übernimmt. Viele Betroffene bemerken zwar eine Verschlechterung auf einem Auge, gehen aber eher davon aus, dass vielleicht eine Brille notwendig sein könnte.

Wenn man die Symptome genauer betrachtet, fällt meistens eine deutliche Verschlechterung des Dämmerungssehens auf. Bei Dunkelheit wird unsere Pupille größer und der vorgewölbte Bereich beeinflusst unter diesen Umständen das Sehen stärker. Im etwas weiter fortgeschrittenen Zustand kommt es dann häufig zu einem sehr großen Unterschied zwischen den Abbildungen beider Augen.

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Abbildung 3 - Die Vorwölbung und Verdünnung der Hornhaut kann am Spaltlampen-Mikroskop sichtbar gemacht werden

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Abbildung 4 - Munson-Zeichen: Auch beim Abblick wird die Vorwölbung sichtbar

Häufig wird eine Verbindung zwischen Keratokonus und Allergien vermutet. Es gibt immer wieder Studien, die belegen, dass viele Keratokonus-Patienten auch Allergiker sind.

Aus diesem Grund findet man in der Literatur auch immer wieder den Hinweis für Keratokonus-Patienten möglichst nicht an den Augen zu reiben, da dies ein Fortschreiten des Keratokonus begünstigen könnte.

Ob es wirklich einen Zusammenhang zwischen vermehrtem Augenreiben und dem Ausbruch des Keratokonus gibt, lässt sich nicht belegen, eine genetische Disposition müsste aber mit Sicherheit vorhanden sein.

Fortschreiten

Keratokonus ist wie bereits beschrieben eine fortschreitende Erkrankung, die aber nicht zur Erblindung führt.

Das heißt, dass die Unregelmäßigkeit der Oberfläche sich verstärkt, wenn die Hornhaut sich weiter verdünnt. Somit wird auch das Sehen auf dem betroffenen Auge immer schlechter.

Dies ist in den meisten Fällen kein kontinuierlicher Prozess, sondern findet in Schüben statt, zwischen denen der Zustand oft jahrelang stabil ist.

Was einen solchen Schub auslöst ist noch völlig unklar. Diskutiert werden hier oft äußere und innere Einflüsse wie Reiben am Auge, hormonelle Schwankungen, Stress etc.

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Abbildung 5 - fortgeschrittener Keratokonus mit deutlicher Verdünnung

Was sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten bestätigt hat, ist das dieses Fortschreiten rund um das 40. Lebensjahr zum Stillstand kommt.

Der natürliche Alterungsprozess der Hornhaut sorgt dafür, dass das Gewebe steifer und fester wird und somit der weiteren Verdünnung entgegenwirkt.

Natürlich gibt es dafür keine Garantien aber unsere Erfahrung zeigt, dass rund um dieses Lebensalter keine großen Veränderungen in der Hornhaut mehr stattfinden und die Situation am Auge sich stabilisiert.

Dies erlaubt uns im Regelfall auch eine vorsichtige Prognose über den Verlauf bei der Erstdiagnose: Sehen wir einen beginnenden Keratokonus geringen Ausmaßes bei einem Patienten der schon über 30 Jahre alt ist, so kann man einen eher langsamen Verlauf erwarten.

Haben wir einen sehr jungen, noch jugendlichen Patienten mit einer Erstdiagnose vor uns, so ist leider mit einer schnelleren Verschlechterung und somit einem schlechteren Endergebnis zu rechnen.

Die Kontaktlinse als Lösung

Die häufigste und aktuell sinnvollste Lösung zur Korrektion des Keratokonus ist die formstabile Kontaktlinse.

Wobei man immer betonen muss, dass das Tragen solcher Kontaktlinsen keine Therapie darstellt. Der Keratokonus wird sich also nicht unter dem Tragen von Kontaktlinsen verbessern oder zurückgehen.

Dennoch ermöglicht das Tragen von Kontaktlinsen eine deutliche Verbesserung der Sehleistung auf dem betroffenen Auge.

Korrektion des Keratokonus

Zur Korrektion des Keratokonus ist es zwingend erforderlich, die Unregelmäßigkeit der Oberfläche der Hornhaut auszugleichen.

Damit unterscheidet sich der Keratokonus von den „normalen“ Fehlsichtigkeiten wie Kurz- oder Weitsichtigkeit oder Hornhautverkrümmung, die alle Ihre Ursache in der Baulänge des Auges oder in regelmäßigen Hornhautformänderungen haben.

Beim Keratokonus kommt es aufgrund der kegelförmigen Vorwölbung zu einer „Berg- und Tal-Oberfläche, somit wird das Licht an verschiedenen Stellen der Hornhaut sehr unterschiedliche gebrochen und es entsteht kein scharfes Bild auf der Netzhaut.

Dieser Fehler passiert gleich beim Eintritt des Lichtes auf der betroffenen Hornhautoberfläche und der vollkommen gesunde Rest des optischen Sehapparates im Auge kann diesen Fehler nicht mehr alleine korrigieren.

Das heißt, Augenlinse, Netzhaut und alle anderen Bereiche des Auges sind vom Keratokonus nicht betroffen, das Licht wird weitergeleitet, aber die Abbildung kann nicht mehr optimiert werden.  

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Die Irregularität einer solchen Oberfläche kann auch nicht ideal durch eine Brille korrigiert werden.

Ein Brillenglas müsste dafür auf kleinstem Raum immer wieder unterschiedliche Dioptrienzahlen ausgleichen, was technisch leider nicht möglich ist und in der Anwendung auch sehr schwierig wäre, da es auch tagesformabhängige Schwankungen im Sehen geben kann.

Ähnliches gilt auch für eine Korrektion mit weichen Kontaktlinsen. Diese schmiegen sich an die Hornhaut an und die Vorwölbung drückt sich quasi durch das weiche Material durch und die Lichtbrechung bleibt schlecht.

Aus diesem Grund kommen eigentlich nur formstabile Kontaktlinsen sinnvoll zum Einsatz. Durch ihr festes Material und ihre stabile Form kann eine solche Linse die Irregularität der Hornhaut quasi überbrücken.

Folgende Kontaktlinsen kommen zur Anwendung

Grundsätzlich rät man immer zur formstabilen Kontaktlinse, da mit dieser Linse das bestmögliche Sehen erreicht werden kann.

In den meisten Fällen sind besondere Spezial-Kontaktlinsen zum bestmöglichen Sitz und für eine gute Verträglichkeit notwendig. Bei fortgeschrittenen Keratokoni können auch besonders große Sklerallinsen empfehlenswert sein.

Wenn es sich um einen beginnenden Keratokonus handelt, ist in manchen Fällen auch noch eine Brillenkorrektur oder das Tragen von weichen Kontaktlinsen möglich.

Es gibt auch sogenannte Hybrid-Kontaktlinsen, die von manchen Keratokonus-Patienten verwendet werden, dazu später noch ein wenig mehr.

Wirkungsweise der Kontaktlinse

Die Wirkungsweise der formstabilen Kontaktlinse funktioniert durch die Überbrückung der irregulären Hornhaut-Bereiche.

Die Kontaktlinse schwimmt auf der Oberfläche und alle Zwischenräume füllen sich mit Tränenflüssigkeit, die so wie eine weitere Linse wirkt und die Irregularität nahezu perfekt ausgleichen kann.

Die formstabile Kontaktlinse schwimmt also auf der Hornhautoberfläche und die darunter entstehende Tränenlinse korrigiert die Unregelmäßigkeit. So kann das Licht wieder viel genauer gebrochen werden und auf der Netzhaut kann wieder ein scharfes Bild entstehen.

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Abbildung 6 - Die formstabile Kontaktlinse überbrückt die Unregelmäßigkeit der Hornhautoberfläche. Eine Linse aus Tränenflüssigkeit (grün) entsteht.

Verlauf der Anpassung der Kontaktlinse

Nach Diagnosestellung der Erkrankung erfolgt normalerweise durch den Augenarzt oder eine Augenklinik die Empfehlung, sich formstabile Kontaktlinsen anpassen zu lassen.

Da es sich beim Keratokonus um eine seltene Augenerkrankung handelt, die auch mit speziell geformten Kontaktlinsen ausgeglichen werden muss, sollte man sich immer in die Hände von spezialisieren Kontaktlinsenanpassern begeben. Die meisten Augenoptiker passen eher ausschließlich Kontaktlinsen für gesunde Augen an.

Wir bei MÜLLER WELT haben uns bereits seit Jahrzehnten auf die Versorgung spezieller Augen bei Erkrankungen oder nach Operationen spezialisiert und sehen jeden Tag in unserem Institut sehr viele Menschen, die an Keratokonus erkrankt sind.

Ein erster Beratungstermin bei uns ist immer unverbindlich und wir nehmen uns viel Zeit, um mit den Patienten/Kunden ihre Situation zu besprechen, alle Bereiche des Auges genau zu untersuchen und festzustellen, mit welcher Sehhilfe das individuell bestmögliche Sehen erreicht werden kann.

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Nach eingehenden Untersuchungen und der Beratung setzen wir bereits bei diesem ersten Termin Kontaktlinsen auf, sodass der Betroffene einen Eindruck davon bekommt, wie das Sehen mit Kontaktlinsen später sein wird und wie sich das Tragen von Kontaktlinsen anfühlt.

In den meisten Fällen werden formstabile Kontaktlinsen angepasst, da diese das bestmögliche Sehergebnis für einen Keratokonus-Patienten bieten.

An das Tragen dieser festen Kontaktlinsen muss man sich allerdings etwas gewöhnen. Im ersten Moment spürt man schon den Fremdkörper im Auge, das ist aber nicht schmerzhaft sondern eher vergleichbar mit dem Gefühl, eine Wimper im Auge zu haben. Schon nach wenigen Minuten bemerkt man, dass sich das Auge an die Kontaktlinse gewöhnt.

Die Eingewöhnungszeit ist individuell verschieden, dauert aber im Regelfall nur wenige Wochen und wird begleitet von einer deutlichen Sehverbesserung, die die Eingewöhnung deutlich erleichtert, da das positive Sehgefühl überwiegt.

Weiche Kontaktlinsen

Bei Recherchen im Internet zum Thema Keratokonus findet man immer wieder auch weiche Spezial-Kontaktlinsen bei Keratokonus.

Diese gibt es und sie zeichnen sich in den meisten Fällen durch ein festes Material, eine gewisse Dicke und eine kleine Optikzone aus, um der Irregularität der Hornhaut entgegenzuwirken.

Dies führt bei meist recht großen weichen Kontaktlinsen zu einer nicht idealen Sauerstoffversorgung der bereits geschwächten Hornhaut, sodass weiche Kontaktlinsen bei der Versorgung von Augen mit Keratokonus nicht unsere erste Wahl sind.

Ist der Keratokonus aber noch nicht weit fortgeschritten, kann auch eine Versorgung mit individuellen weichen Kontaktlinsen sinnvoll sein.

Bei fortgeschrittenen Keratokoni reicht die Sehleistung mit weichen Kontaktlinsen oft nicht aus. Das muss aber bei jedem Patienten individuell entschieden werden.

Im Einzelfall kann auch eine weiche Kontaktlinse die beste Lösung sein. Dazu beraten wir jeden Patienten umfassend.

Hybrid-Linsen bei Keratokonus

Auch über sogenannte Hybridlinsen findet man immer wieder Informationen im Internet.

Diese Linsen vereinen die Vorteile von formstabilen und weichen Kontaktlinsen. Sie versprechen eine Überbrückung der irregulären Hornhaut durch einen formstabilen zentralen Bereich und einen sehr guten Tragekomfort durch einen weichen Rand.

Technisch gab es dazu in den letzten Jahren immer wieder Versuche von Kontaktlinsenherstellern, die oft nicht ideal funktioniert haben.

Die aktuell verfügbaren Hybridlinsen funktionieren grundsätzlich recht ordentlich. Allerdings lassen sich mit diesem System nur Keratokoni versorgen, bei denen die Irregularität noch nicht zu weit fortgeschritten ist.

Zudem müssen sie sehr beweglich angepasst werden, um einem Festsaugen auf dem Auge im Laufe des Tages vorzubeugen. Das führt in den meisten Fällen zu einem Tragekomfort, der sich nicht deutlich von dem einer gut angepassten formstabilen Kontaktlinse unterscheidet.

Zudem ist auch bei diesen Hybridlinsen ein recht großer Gesamtdurchmesser notwendig, der die Sauerstoffversorgung negativ beeinflusst.

Auch hier gilt somit, dass diese Linsen für Einzelfälle eine gute Lösung darstellen, aber nicht für jeden Betroffenen geeignet sind. Auch dazu ist eine individuelle Betrachtung und Beratung notwendig.

Brille bei Keratokonus

Eine Brille kann wie bereits erwähnt nur einen beginnenden Keratokonus zufriedenstellend korrigieren. Das aber manchmal sogar besser als eine formstabile Kontaktlinse.

Eine Brillenrefraktion sollte somit auf jeden Fall erfolgen, wenn der Keratokonus noch nicht zu weit fortgeschritten ist, um eine einfache Lösung anbieten zu können.

Bei fortgeschrittenen Keratokoni wird eine formstabile Kontaktlinse das deutlich bessere Sehergebnis bieten.

Für manche Patienten macht es aber trotzdem Sinn, sich eine Brille anzuschaffen, für Zeiten, in denen die Kontaktlinse nicht getragen werden kann. Zum Beispiel morgens nach dem Aufstehen, abends nach dem Abnehmen der Kontaktlinsen oder nachts.

Hier sollte man in Abstimmung mit den getragenen Kontaktlinsen eine Messung durchführen, ob eine Brille eine Verbesserung zum unkorrigierten Sehen ermöglicht.

In manchen Fällen sind die Ergebnisse recht ordentlich, bei anderen bringt eine Brillenkorrektur gar keine Verbesserung. Da dies nicht vorherzusagen ist, ist auch hier eine individuelle Messung und Beratung sinnvoll.

Lasern bei Keratokonus

Verständlicherweise ist bei den meisten Betroffenen die Nachfrage nach einer Therapie oder einer Operation, die den Keratokonus heilen könnte, groß. Deshalb werden wir oft nach den Möglichkeiten einer Laser-Operation bei Keratokonus gefragt.

Hierzu kann man ganz klar sagen, dass eine Laser-Operation bei Keratokonus nicht möglich ist. Im Gegenteil: Ein Keratokonus ist ein ganz klares Ausschlusskriterium für jede Art von Augenlaser-Operationen.

Der Laser würde Material an der Hornhaut verdampfen und die sowieso schon verdünnte Hornhaut noch dünner machen und somit das Fortschreiten des Keratokonus forcieren. Ein Ergebnis, das natürlich nicht passieren darf.

Es gibt allerdings leider auch Fälle von Keratokonus, die erst nach einem Lasereingriff entstanden sind.

So etwas kann passieren, wenn bei der Laser-Operation zu viel Material weggelasert wurde, oder wenn bereits eine genetische Veranlagung für einen Keratokonus vorhanden war, und der Lasereingriff, dann zu einem Fortschreiten oder Ausbrechen geführt hat. In solchen Fällen spricht man dann allerdings nicht mehr von einem Keratokonus sondern von einer Keratektasie.

Alterssichtigkeit bei Keratokonus

Jeder Keratokonus-Patient wird älter und so kommt er eben auch in das Alter, in dem die sogenannte Alterssichtigkeit ausbricht.

Die Alterssichtigkeit trifft uns alle im Alter zwischen 40 und 50 Jahren und führt dazu, dass wir zum Lesen oder für Naharbeit eine Lesebrille benötigen.

Die Ursache dieser Alterssichtigkeit liegt in der Augenlinse, die bei jedem Keratokonus-Patienten genauso entwickelt ist wie bei gesunden Augen.

In den meisten Fällen ist hier auch mit einer Lesebrille, die zusätzlich zu den Kontaktlinsen getragen wird, eine sehr gute Nahkorrektion möglich.

Viele wünschen sich, die Korrektion der Nahstärke auch durch die Kontaktlinse vorzunehmen, da es ja bereits viele multifokale Kontaktlinsen für diese Zwecke auf dem Markt gibt.

Leider stehen uns bei den Speziallinsen für Keratokonus nur wenige multifokale Varianten zur Verfügung, sodass die meisten Betroffenen sinnvoller zu einer Lesebrille greifen müssen.

Im Einzelfall, kann aber eine Korrektion ausschließlich mit den Kontaktlinsen möglich sein. In erster Linie auch hier wieder bei geringer ausgeprägten Keratokoni.

Auch bei Augen mit Keratokonus können sich im weiteren Lebensverlauf noch andere altersbedingte Augenveränderungen ergeben, zum Beispiel ein grüner Star (Glaukom) oder ein Grauer Star (Katarakt). Beide Erkrankungen können genauso behandelt werden wie bei einem Patienten ohne Keratokonus und die Prognose ist auch nicht verändert.

Trotzdem gibt es ein paar beachtenswerte Unterschiede:

Beim Glaukom, also der Erhöhung des Augeninnendrucks, kann das Ergebnis von automatischen Geräten zur Messung des Augeninnendrucks durch die Verdünnung der Hornhaut verfälscht sein. Hierbei ist immer die tatsächliche Hornhautdicke mitzubeachten. Diese sollte auch gemessen und berücksichtig werden.

Bei der Katarakt wird im Regelfall die eigene Augenlinse durch eine künstliche Augenlinse ersetzt. Bei gesunden Augen ist es hier möglich, die bisherige Brillenstärke mitzukorrigieren, sodass nachher keine Brille bzw. zum Beispiel nur noch eine Lesebrille für die Nähe notwendig ist.

Bei Keratokonus ist hier Vorsicht geboten. Es sollte vermieden werden, eine Korrektur der irregulären Oberfläche durch eine spezielle Intraokularlinse vorzunehmen. Das optische Endergebnis ist in einem solchen Fall oft nicht zufriedenstellend und kann dann von außen durch eine Brille oder Kontaktlinse nur schwer oder gar nicht korrigiert werden.

Empfehlenswert ist es, hier auf eine „einfache“ Intraokularlinse zurückzugreifen, die lediglich die Stärke der eigenen Augenlinse ausgleicht und die Korrektur der irregulären Oberfläche weiterhin auf die bisherige Art (Brille, Kontaktlinse) weiterzuverwenden.

Corneal Cross Linking

Corneal Cross Linking ist das aktuell einzige Verfahren zur Behandlung des Keratokonus, das von den Krankenkassen anerkannt und dessen Wirksamkeit in vielen Studien belegt ist.

Dabei ist dieses Verfahren keine Heilungsmethode und kann auch keine erneute Verdickung der Hornhaut erreichen.

Es ist aber möglich, die Stabilität der Hornhaut durch dieses vor ca. 15 Jahren in Deutschland entwickelte Verfahren zu verbessern und einem weiteren Fortschreiten vorzubeugen.

Durch das Auftragen einer speziellen Lösung auf die Hornhaut und anschließender Bestrahlung erreicht man eine bessere Vernetzung der Collagenfasern in der Hornhaut und somit eine höhere Widerstandsfähigkeit.

Man versucht also den natürlichen Alterungsprozess der Hornhaut, wie er etwa nach dem 40.Lebensjahr eintritt, nachzustellen. Der Keratokonus wird quasi in der aktuellen Form eingefroren und ein weiteres Fortschreiten verhindert. Dies ist besonders für sehr junge Patienten empfehlenswert, wenn der Keratokonus noch nicht so weit fortgeschritten ist.

Bei Patienten über 40 Jahre wird das Verfahren in den meisten Kliniken nicht mehr angeboten, da der natürliche Alterungsprozess den gleichen Effekt hat.

Ist das Tragen von Kontaktlinsen bereits vor dem Eingriff sinnvoll, werden diese auch nach dem Eingriff wieder notwendig sein. Aber man verhindert ein schnelles Fortschreiten und somit eine weitere Verschlechterung des Sehens.

Auch hier gibt es natürlich Risiken und Nebenwirkungen wie zum Beispiel mögliche Trübungen und Blendungen zumindest kurz nach dem Eingriff, aber in den meisten Fällen verläuft das Verfahren recht komplikationslos.

Nähere Informationen dazu erhalten Sie bei Ihrem betreuenden Augenarzt oder in einer Augenklinik.

Bevor dieses Verfahren angewendet und auch teilweise von der Krankenkasse übernommen wird, muss aber ein Fortschreiten sichergestellt werden. Das heißt im Regelfall ist ein Corneal Cross Linking nicht direkt nach der Erstdiagnose möglich.

Keratoplastik

Eine Keratoplastik, also eine Hornhauttransplantation, steht am Ende einer Keratokonus-Erkrankung.

Bei diesem operativen Eingriff wird die erkrankte Hornhaut (perforierende KPL) oder einzelne Schichten (lamelläre KPL) entfernt und eine Spenderhornhaut (oder eine einzelne Schicht) wird eingepflanzt. Dies ist die älteste mögliche Art der Transplantation, die es überhaupt gibt.

Der Eingriff erfolgt im Normalfall ohne eine spezielle Typisierung (Blutgruppe etc.) da die Hornhaut nicht von Blutgefäßen durchzogen ist. Trotzdem gibt es eine Warteliste für Hornhaut-Transplantationen, da bis heute noch nicht erfolgreich künstliche Hornhäute gezüchtet werden können. Die Wartezeit beträgt bis zu einem Jahr.

Eine Hornhauttransplantation wird nur bei Keratokonus-Patienten durchgeführt, deren Sehleistung trotz bester Kontaktlinse nicht mehr ausreicht (unter 30%) und denen deshalb eine Sehbehinderung droht.

Oder, falls Kontaktlinsen aus physiologischen Gründen nicht mehr getragen werden können, zum Beispiel, weil die Irregularität der Hornhaut so groß ist, dass keine Kontaktlinse mehr sicher auf dem Auge hält.

Die Ergebnisse dieser Operationen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter verbessert.

In den allermeisten Fällen ist aber nach der Operation erneut das Tragen einer formstabilen Kontaktlinse notwendig, um die bestmögliche Sehleistung zu erreichen. Dies begründet sich in den hohen Zugkräften, die beim Anwachsen des Transplantates entstehen und oft für hohe Hornhautverkrümmungen sorgen.

Die Hornhaut ist nach einer solchen Transplantation aber nicht mehr verdünnt und die Unregelmäßigkeit ändert sich meistens nach dem Fädenziehen (nach etwa einem Jahr) nicht mehr deutlich.

Kontaktlinsen können aber auch schon mit liegenden Fäden getragen werden.

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Abbildung 7 - Keratoplastik mit Zickzacknähten wird die Spenderhornhaut mit der eigenen Hornhaut vernäht, die Fäden bleiben in etwa 1 Jahr lang in der Hornhaut

Nach dem Fädenziehen wird aber im Regelfall nochmal eine neue Anpassung notwendig. Welches Verfahren angewendet wird (peforierend oder lamellär) entscheidet sich immer im Einzelfall, manchmal sogar auch erst während der Operation.

Eine Keratoplastik hält nicht ewig. Sie muss häufig nach 15-20 Jahren ausgetauscht werden, sodass dieser Eingriff sinnvoll so lange wie möglich hinausgezögert wird.

Das Sehergebnis nach der Operation und mit angepasster Kontaktlinse erreicht nicht selten zwischen 60-80% Manchmal auch besser, in Einzelfällen aber leider auch schlechter. Auch das ist ein Grund sich nicht verfrüht für eine solche Operation zu entscheiden.

Wichtig: Nicht jeder Keratokonus-Patient braucht irgendwann in seinem Leben eine Keratoplastik. Bei den meisten Betroffenen stabilisiert sich der Zustand irgendwann rund um das 40. Lebensjahr. Und wenn bis dahin noch eine gute Sehleistung mit Hilfe von Kontaktlinsen möglich ist, stellt sich die Frage nach dieser Operation meist gar nicht.

Näheres zu diesem Thema und auch zu den einzelnen Operationsmethoden bei Keratoplastik entnehmen Sie bitte unserer separaten Seite/ Broschüre zum Thema Keratoplastik.

Alternative Methoden

Wie bereits erwähnt gibt es aktuell keine Therapie, kein Medikament und keine Operation, die eine Heilung im Sinne von erneuter Verdickung und Stabilität der Hornhaut ermöglicht.

Es gibt allerdings verschiedene Verfahren, die für eine Korrektur des Keratokonus ausprobiert wurden.

Dazu zählen gezielte Schnitte, die in den 90er Jahren in die Hornhaut gesetzt wurden, um bei einer Vernarbung zu  Stabilität zu führen (radiäre Keratotomie) oder zum Beispiel aktuell der MyoRing, der in die Hornhaut eingesetzt werden soll, um zu stabilisieren.

Dabei soll eine Verbindung zwischen dem eingesetzten Ring und dem umgebenden Hornhautgewebe erreicht werden und somit der Hornhautbereich vor der Pupille gespannt werden, damit an dieser Stelle wieder eine reguläre Oberfläche entsteht, an der das Licht wieder besser gebrochen werden soll.

Dies führt unserer Erfahrung nach aber leider immer wieder zu optischen Schwierigkeiten durch den eingesetzten Ring, insbesondere bei großer Pupillenöffnung.

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Abbildung 8 - Myo-Ring in der Hornhaut, bei sich weit öffnender Pupille (Dunkelheit) können deutliche Blendungserscheinungen  im Randbereich auftreten

All diese Verfahren wurden entwickelt, um den Patienten besseres Sehen ohne Kontaktlinsen zu ermöglichen. Die Ergebnisse fallen aber sehr unterschiedlich aus.

Mitunter kommt es zu Blendungserscheinungen, die insbesondere bei Nacht stark irritieren, bei manchen Patienten hat sich auch kein zufriedenstellendes Sehen eingestellt und einige andere waren auch zumindest eine Zeit lang recht zufrieden.

Aufgrund der Tatsache, dass wir recht viele Keratokonus-Patienten betreuen, sehen wir auch immer wieder Patienten, die eines dieser Verfahren ausprobiert haben.

Leider waren die wenigsten bisher uneingeschränkt zufrieden, sodass wir mit Empfehlungen an dieser Stelle vorsichtig sein müssen.

Wir denken, dass alle Verfahren noch Weiterentwicklungen brauchen, um wirklich für viele Patienten empfehlenswert zu werden.

Was ist sonst noch zu beachten?

Die meisten sich ergebenden Fragen kann man am besten im persönlichen Gespräch mit seinem Kontaktlinsen-Spezialisten besprechen.

An dieser Stelle wollen wir uns aber noch kurz zu zwei weiteren Themen äußern:

Die Kosten

Für gesetzlich Krankenversicherte stellt die Keratokonus-Diagnose ab einem bestimmten Grad eine Indikation für das Tragen von formstabilen Kontaktlinsen dar, das heißt die Krankenkasse beteiligt sich zu einem großen Teil an den Kosten für Kontaktlinsen.

Hier sind in erster Linie formstabile Kontaktlinsen gemeint, für alle anderen Arten braucht es eine besondere Begründung, die der Arzt auch auf der Verordnung vermerken muss.

Es muss für die Kostenübernahme eine ärztliche Verordnung vorliegen und wir kümmern uns dann gern für unsere Kunden um den Kostenvoranschlag bei der jeweiligen Krankenkasse und rechnen auch direkt mit Ihrer Krankenkasse ab.

Dazu brauchen wir von Ihnen im Verlauf der Anpassung einige Unterschriften, um den Rest kümmern wir uns gern für Sie. Mit einer geringen Zuzahlung muss man aber in den allermeisten Fällen rechnen.

Bei privat-krankenversicherten ist die Kostenübernahme abhängig vom individuellen Vertrag, da kann es sein, dass nur ein bestimmter Betrag übernommen wird oder nur innerhalb bestimmter Zeitabstände oder bei bestimmten Stärkenänderungen Kostenübernahmen möglich sind. Manchmal müssen die Versicherten die Kontaktlinsen auch komplett selbst bezahlen.

Die Kosten für Reinigungs- und Pflegemittel werden bislang von keiner Versicherung übernommen. Hier bieten wir unseren Kunden aber gern ein bequemes Abo-System mit vielen Vorteilen an. Wir beraten Sie gern.

Internet-Recherche

In der heutigen Zeit greifen wir alle gern zu Dr. Google, um unsere Diagnose dort zu recherchieren oder neueste Informationen zu erhalten.

Bitte beachten Sie, dass nicht alles, was man im Internet finden kann, seriös ist und so finden Sie auch unter dem Stichwort Keratokonus gut recherchierte Seiten, aber auch jede Menge Unsinn, Mythen und Werbeversprechen.

Hinterfragen Sie bitte die ein oder andere Information, die Sie dort finden und sprechen Sie uns gern an, wenn für Sie noch Unklarheiten bestehen.

Hier ein paar Empfehlungen  für seriöse Seiten zum Thema Keratokonus:

www.keratokonus.de (Seite eines Keratokonus-Betroffenen)

www.nkcf.org (National Keratoconus Foundation, USA)