Kontaktlinsen für Babies und Kleinkinder

Einleitung

Kontaktlinsen für Babies und Kleinkinder, das klingt für die meisten Menschen sehr ungewohnt: Warum sollten kleine Kinder Kontaktlinsen tragen und kann das überhaupt sinnvoll sein? Kein Baby oder Kleinkind trägt Kontaktlinsen, weil es aus kosmetischen Gründen keine Brille verwenden möchte. Die Gründe sind in diesem jungen Alter immer medizinischer Natur und sollen in dieser Broschüre zusammen mit vielen weiteren Informationen rund um Kontaktlinsen im Kindesalter näher erläutert werden.

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Gründe für Kontaktlinsen

Die häufigste Diagnose, die bei Säuglingen das Tragen von Kontaktlinsen notwendig macht ist ein angeborener grauer Star (congenitale Cataract). Die Augenlinse trübt sich ein und muss entfernt werden, damit Licht ins Auge gelangen und das Kind somit Sehen „lernen“ kann. Wenn diese Linse nun ersetzt werden muss, bleibt nur die Kontaktlinse als Hilfsmittel. Eine künstliche Linse, die ins Auge eingepflanzt werden könnte, wächst nicht mit dem Kind mit und eine Brille ist als Hilfsmittel aufgrund der hohen Stärke hier nur schlecht geeignet.

Ein weiterer Grund, warum Babies und Kleinkindern Kontaktlinsen tragen können, sind starke Fehlsichtigkeiten oder ein großer Stärkenunterschied zwischen dem rechten und dem linken Auge. Bei diesen Vorbedingungen, kann sich das Sehen nicht optimal auf beiden Augen entwickeln und dauerhaft eingeschränkt bleiben, wenn keine bestmögliche Korrektur vorgenommen wird.

Und ein dritter Grund sind „perforierende Hornhaut-Verletzungen“, vereinfacht gesagt, wenn ein spitzer Gegenstand wie Messer, Schere, Ast oder ähnliches das Auge verletzt und nach der „Reparatur“ eine irreguläre Hornhautoberfläche resultiert. Dann wird meistens das Tragen einer formstabilen Kontaktlinse, die die Unregelmäßigkeit überbrückt, notwendig, um das Sehen auf dem betroffenen Auge zu erhalten.

Die Entwicklung des Sehens

Nach der Geburt ist das „Sehorgan“ Auge noch nicht ausgereift. Die Sehfunktionen müssen sich erst noch entwickeln. Man geht davon aus, dass dies in mehreren Phasen geschieht. Auch in Ihrem Alltag können Sie die verschiedenen Entwicklungsstufen verfolgen:

1. Monat: Die Augen sehen noch sehr unscharf, das Baby kann hell und dunkel unterscheiden und sieht kontrastreiche Umrisse. Die Augenbewegungen sind noch unkoordiniert

2. Monat: Strukturen von Gesichtern und grobe Umrisse werden wahrgenommen

3.– 4. Monat: bewusstes Anschauen von Gesichtern, erstes Lächeln

5. Monat: Die Gesichter der Eltern werden genau gesehen und erkannt

6. Monat: Ein gezieltes Greifen ist möglich

7. Monat: Gegenstände werden gezielt in die Hand genommen, gedreht und betrachtet

8. Monat: Das Kind kann Feinheiten im Gesicht erkennen und zwischen „bekannt“ und „fremd“ unterscheiden

9. Monat: gezieltes Greifen mit Daumen und Zeigefinger von kleinen Dingen ist möglich

11. Monat: Das Kind kann gezielt mit den Augen nach Mama und Papa suchen

12. Monat: Gegenstände werden erkannt und gezielt in die Hand genommen

1. – 5. Lebensjahr: Ab jetzt wird die Sehschärfe Ihres Kindes immer besser.

Sieht das Kind in diesem Alter auf einem Auge schlecht, so kann sich das Sehen nicht in dieser Art entwickeln und es besteht die Gefahr, dass das Auge somit „schwachsichtig“ (amblyop) wird und niemals eine gute Sehleistung erreichen kann.

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Allgemeines zu Kontaktlinsen

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen weichen und formstabilen Kontaktlinsen. Beide haben ganz unterschiedliche Eigenschaften und eignen sich für verschiedene Einsatzgebiete. Da für viele Erwachsene die Bequemlichkeit und die Ergänzung zur Brille im Vordergrund stehen, werden hier oft weiche Kontaktlinsen verwendet, die sich durch eine kurze Eingewöhnungszeit auszeichnen.

Bei Kindern steht dagegen das perfekte Sehergebnis und eine sehr lange zukünftige Verwendungszeit im Vordergrund. Aus diesem Grund werden hier vermehrt formstabile Kontaktlinsen verwendet, die die Hornhaut perfekt überbrücken und somit das beste Sehergebnis liefern. Zudem sind sie deutlich kleiner, können individuell an das Kinderauge angepasst werden und sorgen somit für eine erheblich besser Versorgung des Auges, auch wenn über Jahrzehnte hinweg – vielleicht ein Leben lang – Kontaktlinsen verwendet werden müssen.

Welche Kontaktlinse ist die Richtige?

Welche Kontaktlinse für Ihr Kind die richtige ist, stellen wir zusammen mit dem behandelnden Augenarzt mittels einiger Messungen fest. Im Vordergrund steht dabei für uns immer, Ihrem Kind das bestmögliche Sehergebnis zu ermöglichen. Die meisten Messungen können berührungsfrei durchgeführt werden und ermitteln die Form der Hornhaut und die benötigte Stärke. Da diese Messungen ein bisschen Zeit erfordern und Ihr Kind dabei möglichst stillhalten oder gut mitarbeiten sollte, müssen alle Beteiligten bei diesen Untersuchungen ein wenig Geduld aufbringen.

Die Handhabung

Sind alle Messungen abgeschlossen, muss eine erste Kontaktlinse aufgesetzt werden. Bei dem ersten Termin machen das natürlich wir Spezialisten, später zu Hause müssen zumindest anfangs Sie als Eltern diese Aufgabe übernehmen.

Die wichtigste Botschaft an dieser Stelle ist, dass das Auf- und Absetzen nicht schmerzhaft für Ihr Kind ist.

Es wird sich allerdings trotzdem anfangs dagegen sträuben, da es nicht versteht, was geschieht und der Reflex, die Augen zu schützen bereits bei Säuglingen stark ausgeprägt ist. Somit ist es im Regelfall erforderlich, das Kind anfangs während der Handhabung festzuhalten.

Dieses „Festgehalten werden“ ist auch eigentlich der Grund warum das Kind sich wehrt. Je häufiger es erlebt, dass nichts Schlimmes passiert und unter Umständen auch, dass es mit aufgesetzter Kontaktlinse besser sieht, desto einfacher wird es. Ziel sollte es sein, dass die Linse nach einiger Zeit jeden Morgen aufgesetzt und jeden Abend wieder runtergenommen wird. Anfangs funktioniert das noch nicht immer in diesem Rhythmus, manchmal kann die Linse auch mal 2 oder 3 Tage am Stück auf dem Auge bleiben, solange die Handhabung sehr schwierig ist und das Auge nicht negativ darauf reagiert.

Mit Geduld und Ruhe, häufig zu zweit, lässt sich im Laufe der Zeit eine verlässliche Routine entwickeln, an die Ihr Kind sich gewöhnt wie an Zähneputzen oder ähnliche Alltagsroutinen.

Die eigentliche Eingewöhnung an das Tragen der Kontaktlinse ist für die Kinder im Gegensatz zu Erwachsenen kein Problem und ist oft je nach Kontaktlinsen-Typ nach einigen Stunden oder Tagen abgeschlossen.

Das Aufsetzen beim Säugling/Kleinkind

Erfahrungsgemäß erfolgt das Aufsetzen einer Linse am besten zu zweit. Eine Person sollte das Kind im Arm halten oder auf den Schoß nehmen, ähnlich wie beim Füttern. Je nach Alter des Kindes ist es sinnvoll, dass diese Person gleichzeitig auch die Arme des Kindes leicht festhält, und dass das Kind den Kopf wenn möglich anlehnt. Ein Baby kann einfach im Arm liegen. Ist die aufsetzende Person Rechtshänder, ist es praktisch, wenn das Kind sich auf der linken Seite von ihr befindet.

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Das Wichtigste beim Aufsetzen der Kontaktlinse ist, dass das Kind zum einen möglichst ruhig gehalten wird, nicht den Kopf wegdrehen kann oder die Hände der aufsetzenden Person wegdrückt. Zum anderen müssen die Augenlider des Kindes aufgehalten werden, um die Linse einfach auf das Auge aufzulegen. Am besten positioniert man die Linse auf den Zeigefinger der aufsetzenden Hand (die, die Sie auch zum Schreiben benutzen) und der Mittelfinger der gleichen Hand zieht das Unterlid des Kindes leicht herunter. Die andere Hand hält dann das Oberlid auf und gleichzeitig gut fest. Da der Lidschlussreflex unseres Oberlids einer der stärksten Reflexe unseres Körpers ist, ist hier ein leichter Druck notwendig, aber keine Angst, das tut Ihrem Kind nicht weh. Wenn das gelingt, kann die Linse im Idealfall direkt auf die Hornhaut aufgelegt werden. Hier ist keinerlei Druck erforderlich.

Sitzt die Linse richtig?

Sie treffen beim Aufsetzen die Hornhaut immer, wenn Sie die Linse auf den farbigen Teil des Auges, der Iris, platzieren. Oft passiert es allerdings, dass ein Kind diese ungewohnt.  Situation nicht akzeptiert und das Auge beim Aufsetzen der Linse wegdreht. Das ist nicht schlimm und die Linse kann auch auf die Bindehaut, den weißen Teil des Auges, aufgesetzt werden. Dann sitzt sie zwar nicht gleich richtig, aber sie ist zumindest aufgesetzt und das Kind muss nicht länger festgehalten werden.

In den meisten Fällen wird das Kind nun am Auge reiben, weil es spürt, dass die Linse noch nicht richtig sitzt. Oft wird bei diesem Reiben die Linse schon an die richtige Position verschoben und alles ist in Ordnung. Sitzt die Linse nach wie vor nicht richtig, verhalten Sie sich wie im Punkt „Ist eine Kontaktlinse verrutscht?“

So klappt das Aufsetzen immer besser:

  • Je mehr Übung Sie haben, desto schneller werden Sie
  • Je schneller Sie werden, desto einfacher wird die Situation für das Kind
  • Machen Sie das Aufsetzen zur Alltagssituation wie das Zähneputzen
  • Dann steigt nach und nach die Akzeptanz des Kindes – kein Festhalten mehr!
  • Spätestens, wenn das Kind merkt, dass es nach dem Aufsetzen besser sieht, wird es sich die Linse gern aufsetzen lassen

Das Abnehmen beim Säugling/Kleinkind

Auch zum Abnehmen der Linse ist man am besten zu zweit und nimmt die gleiche Haltung ein wie beim Aufsetzen. Auch hier sollte mit beiden Händen das Ober- und das Unterlid festgehalten werden. Zum Abnehmen einer formstabilen Kontaktlinse stehen zwei Varianten zur Auswahl:

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Die Saugermethode

Die einfachste Variante erfolgt mit dem Kontaktlinsensauger. Dieser saugt durch Unterdruck die Linse einfach an, sie haftet dann am Sauger und löst sich leicht vom Auge. Bitte schauen Sie aber vor Verwendung des Saugers genau hin, dass die Linse sich auch tatsächlich an Ort und Stelle befindet und nicht vielleicht verrutscht oder herausgefallen ist.

Der Sauger funktioniert am besten, wenn er vor der Benutzung mit Ihrer Aufbewahrungslösung angefeuchtet wurde. Haben Sie die Linse sicher gesehen und Ober- und Unterlid aufgehalten, setzen Sie den Sauger einfach möglichst mittig auf die Kontaktlinse auf. Berührt der Sauger die Linse komplett, haftet sie auch schon und Sie können die Linse vom Auge herunternehmen.

Dieser Vorgang geht blitzschnell, wenn das Kind gut mitmacht. Bei Kleinkindern ist es möglich, sie mit irgendetwas abzulenken, zu dem sie intensiv hinschauen (das darf dann auch mal der Fernseher, ein Tablet oder ein Smartphone sein). Denn dann drehen sie das Auge nicht so schnell weg und man kann die Linse gut erwischen. Dreht das Kind die Augen stark weg, kann die Benutzung des Saugers manchmal schwierig sein.

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Herausdrücken der Linse

Hier wird nur mit beiden Händen gearbeitet, es ist kein zusätzliches Hilfsmittel notwendig. Man platziert beide Daumen an Ober- und Unterlid des Auges Ihres Kindes und zwar so, dass sich die Linse zwischen Ober- und Unterlid befindet. Nun übt man leichten Druck auf das Auge aus und schiebt gleichzeitig die Lidränder zusammen, sodass sie gegen die Ränder der Kontaktlinse drücken. Dabei schiebt sich die Kontaktlinse einfach über das Unterlid heraus und liegt dann auf der Haut des Unterlids, von der Sie sie einfach wegnehmen können. Diese Methode braucht ein wenig Übung, wird aber besonders von den Eltern favorisiert, die sich mit dem Sauger unwohl fühlen, oder deren Kinder die Augen stark verdrehen.

Ist eine Kontaktlinse verrutscht?

Kleine Kinder reiben sehr häufig an den Augen, oft ist es ein Zeichen von Müdigkeit, manchmal kann es bei kleinen Kontaktlinsenträgern auch heißen, dass sich die Linse ein wenig unbequem anfühlt. Generell müssen Sie sich nicht sorgen, wenn Ihr Kind hin und wieder an den Augen reibt. Es kann sich durch Reiben nicht mit der Kontaktlinse verletzen. Schlimmstenfalls wird die Kontaktlinse herausgerieben und kann verloren gehen, oder sie kann verrutschen.

Ist das der Fall, müssen Sie nicht in Panik verfallen. Auch eine Kontaktlinse, die auf der Bindehaut aufliegt, kann keinerlei Schaden am Auge anrichten. Allerdings hilft sie so Ihrem Kind auch nicht. Schauen Sie in so einem Fall also wenn möglich zuerst einmal nach, wo sich die Linse befindet. Häufig werden Kontaktlinsen für kleine Kinder etwas stärker eingefärbt, damit sie leichter zu sehen sind.

Haben Sie die Linse entdeckt (Kleinkinder kann man dazu animieren in verschiedene Richtungen zu schauen, um die Linse zu finden), können Sie versuchen, die Linse mit Hilfe der Lidränder zurück in die richtige Position zu schieben: Bringen Sie dazu den Lidrand an den Rand der Linse und üben Sie eine leichte Schiebebewegung in Richtung der farbigen Iris aus. Oft genügt ein kleiner Schubser, um die Linse zurück zu bringen. Gelingt dies nicht, kann die Linse auch mit dem Sauger abgenommen werden. Ist das Kind noch sehr klein und wehrt sich gegen diese Verschiebe-Prozedur, kann man auch einfach versuchen, die Linse durch leichte Massage des geschlossenen Augenlids zu bewegen oder einfach abwarten, bis das Kind die Linse von allein durch Reiben wieder an die richtige Position gebracht hat. Eine Linse, die nicht richtig sitzt, löst ein leichtes Fremdk.rpergefühl aus und das Kind wird von allein immer wieder am Auge reiben, bis sie richtig sitzt.

Verlust einer Kontaktlinse

Kinder sind sehr beweglich und agil und spielen und toben in den unterschiedlichsten Umgebungsbedingungen. Das Tragen einer Kontaktlinse soll sie hierbei nicht einschränken. Deshalb ist es völlig normal, dass eine Kontaktlinse auch einmal verloren gehen kann. Dies ist nicht schlimm und sollte kein Grund sein, sich gegen Kontaktlinsen für ein Kind zu entscheiden. Insbesondere bei Babies und Kleinkindern sind die Kontaktlinsen meist medizinisch notwendig und fördern die Entwicklung des Sehens. Hier werden die meisten Kosten von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen und das gilt auch für verlorene Linsen! Vielleicht kann man aber „unnötige“ Verluste trotzdem vermeiden:

  • Formstabile Linsen dürfen trocken werden, suchen Sie die Umgebung Ihres Kindes gründlich ab, vielleicht können Sie die Linse wiederfinden
  • Setzen Sie keine Kontaktlinsen auf, wenn Sie mit dem Kind Schwimmen oder Baden gehen, im Wasser passiert ein Verlust sehr schnell
  • Überprüfen Sie eine wiedergefundene Kontaktlinse immer auf Beschädigungen und reinigen und desinfizieren Sie sie gründlich vor dem erneuten Aufsetzen
  • Wird die Linse nicht gefunden, setzen Sie sich umgehend mit uns in Verbindung.
  • Wir sorgen für eine sofortige Neubestellung und versorgen Sie falls möglich direkt mit einer möglichst passenden Leihlinse.
  • Kontaktieren Sie anschließend auch Ihren Augenarzt für ein neues Rezept, dann sind auch die Kosten schnell mit Ihrer Krankenkasse geklärt.

Die Handhabung weicher Kontaktlinsen funktioniert ein wenig anders und ist tatsächlich durch die Größe und die Struktur von weichen Linsen etwas schwieriger. Sie werden bei kleinen Kindern auch deutlich seltener verwendet. Ihr Kontaktlinsen-Spezialist zeigt Ihnen aber gern die Anwendung weicher Kontaktlinsen, wenn diese für Ihr Kind die bessere Wahl sind.

Die weitere Betreuung durch uns

Gerade in der ersten Zeit mit den Kontaktlinsen kann es Situationen geben, in denen Sie als Eltern besorgt sind, ob Sie mit der Kontaktlinse auch alles richtig machen. Wir möchten Sie im Umgang mit diesem Thema nicht allein lassen, deshalb ist zu unseren Öffnungszeiten immer jemand im Haus der sich mit Kontaktlinsen bei Kindern auskennt. Sie dürfen sich also bei Unsicherheiten, die nicht bis zu nächsten Kontrolluntersuchung warten können, gern bei uns melden.

Für akute Situationen gilt immer: Ist das Auge Ihres Kindes mit oder ohne Linse stark gerötet, tränt es, oder ist Ihr Kind blendempfindlich, dann sollten Sie die Kontaktlinse sofort abnehmen oder gar nicht erst aufsetzen. Ein Fremdkörper könnte unter der Linse gekratzt haben oder es hat sich im Kindergarten o. ä. eine Bindehautentzündung eingefangen. Beides sollte erst abheilen, bevor eine Linse wieder aufgesetzt werden kann. Bei kleinen Kratzern durch einen Fremdkörper unter der Linse ist dies normalerweise nach einem Tag der Fall. Bestehen Beschwerden über längere Zeit, sollte vorsichtshalber ein Augenarzt das Auge anschauen, um eine Entzündung auszuschließen.

Es ist ebenfalls möglich, dass das Auge des Kindes zwar nicht gerötet ist, sich aber trotzdem eine Abwehr des Kindes gegen die Kontaktlinse entwickelt. Will ein Kind plötzlich die Linse nicht mehr aufsetzen lassen, obwohl das zuvor ohne Schwierigkeiten ging, oder möchte es die Linse nach kurzer Tragezeit wieder herunternehmen, dann steckt meistens eine Veränderung dahinter. Oft ist das Kind gewachsen und die Linse passt einfach nicht mehr richtig oder die Stärke hat sich geändert und das Sehen ist schlechter geworden. Manchmal steckt auch ein Belag dahinter, der sich auf der Oberfläche der Linse gebildet hat und eine Fremdkörpergefühl erzeugt. Bitte vereinbaren Sie in einem solchen Fall einen Termin bei uns, dann kann umgehend neu angepasst oder gereinigt werden und weiterem erfolgreichen Kontaktlinsentragen steht nichts mehr im Weg.

Routinekontrollen

Wenn das Linsentragen dann gut funktioniert und Sie und Ihr Kind eine erste Routine entwickelt haben, läuft alles Weitere eher stressfrei, auch für Ihr Kind. Wir empfehlen häufige Kontrollen beim Augenarzt, der Sehschule und bei uns, um immer auf das Wachstum des Auges und auf die sich daraus ergebenden Änderungen schnell zu reagieren. Dies erfordert anfangs häufig wechselnde Linsen. Aber man sollte sich immer bewusst machen: Jeder Tag, an dem Ihr Kind gut sieht, vergrößert seine Chance auch als Erwachsener „normal“ zu sehen. Auch der Sitz der Kontaktlinse, sowie der Zustand der Linse und des Auges werden bei diesen Kontrollen genau untersucht. Eine Kontrolle läuft am effektivsten ab, wenn Ihr Kind motiviert und möglichste nicht übermüdet ist. Versuchen Sie dies bei der Terminvereinbarung zu berücksichtigen.

Die Entwicklung der Sehstärke

Am wichtigsten für das Sehen Ihres Kindes ist immer die Kontrolle der Sehleistung und der Stärke. Bei Babies wird dies insbesondere beim Augenarzt oder in der Sehschule mit speziellen Tests geprüft. Bei älteren Kindern können Sie diese Untersuchung sogar zu Hause üben: Als erstes finden Sie hier die häufig verwendeten LEA-Testzeichen. Hier erkennen schon kleine Kinder einen Kreis (Ball), einen Kasten, ein Haus und ein Herz (Apfel).

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Zusätzlich wird auch häufig mit einem "E" gearbeitet: Ein solches "E" können Sie auch zu Hause mit Ihrem Kind ganz einfach basteln: Bei diesem "E" sollten alle Striche gleich dick sein und der Abstand zwischen den Balken sollte ebenfalls die gleiche Breite haben. Sie können die Vorlage auch einfach unten herunterladen, auf eine dünne Pappe kleben und ausschneiden. Dieses "E" wird dann in einer bestimmten Richtung gezeigt und Ihr Kind kann mit dem gebastelten "E" diese Position nachzeigen. Wenn es dies spielerisch lernt, kann die Kontrolle schnell und mit sicherem Ergebnis durchgeführt werden.

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E-Buchstaben-Übung für Kinder downloaden

Da das Sehen sich in den unterschiedlichen Lebensphasen entwickelt und auch in verschiedenen Abständen wichtig ist (zu Anfang sehen Babies erst alles in der Nähe scharf, später wird auch die mittlere Entfernung und dann die Ferne scharf gesehen), muss es bei der Anpassung der Kontaktlinsenstärke  berücksichtigt werden. Fehlt bei einem Baby zum Beispiel die eigenen Augenlinse nach einer OP des grauen Stars hat es auf diesem Auge die Fähigkeit zur Akkommodation verloren. Das heißt das Auge kann nicht mehr auf unterschiedliche Entfernungen scharf stellen. Deshalb wird anfangs die Stärke der Kontaktlinse auf den für die Kinder erreichbaren Bereich eingestellt, also ungefähr auf einen Umkreis von 30 cm. Dies entspricht so auch dem Abstand in dem ein Baby mit eigener Augenlinse sehen kann. Je mobiler ein Kind wird, desto größer muss der Abstand sein, in dem scharf gesehen wird. Daher wird die Stärke dieser Entwicklung immer wieder angeglichen. Aus diesem Grund wird im weiteren Verlauf auch eine Brille notwendig werden, die zusätzlich zu den Kontaktlinsen getragen wird. In der Regel ist dies eine Bifokalbrille, in der der obere Bereich für das Sehen in der Ferne benutzt wird, und der untere Bereich für das Sehen in der Nähe. Erst wenn die Kinder deutlich älter sind, kann ein Umstieg auf eine kosmetisch schönere Gleitsichtbrille erfolgen, da es dazu notwendig ist, dass das Kind sehr genau angeben kann, ob es in allen Bereichen gut sieht.

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