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Cataract bei irregulären Astigmatismen-was tun?

Geschrieben von Corinna Jonske | 22.04.26 09:48

Aufgrund unserer Spezialisierung auf die medizinische Kontaktlinsenanpassung sehen wir jeden Tag Menschen mit irregulären Astigmatismen zum Beispiel aufgrund von Keratokonus, Zustand nach Keratoplastik, Verletzungen oder als Ergebnis von zurückliegender refraktiver Chirurgie. Diese Patienten werden natürlich auch älter und im Laufe der Zeit entwickelt sich dann irgendwann auch bei unseren Kontaktlinsen-TrägerInnen eine Cataract. Aufgrund der langjährigen Kundenbeziehung fragen unsere Kunden dann oft auch uns, was in diesem speziellen Fall bei einer Operation zu beachten wäre. Zudem tauschen wir uns oft auch vor einer solchen Operation mit den betreuenden Augenärzten aus, um das bestmögliche Sehergebnis für unseren Kunden zu erreichen.

Dabei erleben wir häufig, dass unsere Patienten ganz unterschiedliche Aussagen und Empfehlungen von ihren Augenärzten oder in der Klinik erhalten haben, von einem Abraten einer Cat OP bis hin zur Empfehlung torischer oder multifokaler IOLs ist im Prinzip alles dabei und leider haben wir in der Vergangenheit auch bereits Kunden gesehen, die nach einer Cataract OP todunglücklich mit dem erzielten Ergebnis waren und auch bei uns nur schwer wieder auf den erwünschten Visus gekommen sind. Solche Fälle wollen wir natürlich vermeiden. Grundlage für die erfolgreiche Operation eines solchen Patienten ist die richtige Interpretation der Hornhaut-Topographie: Die Lichtbrechung an der irregulären Oberfläche der Hornhaut wird sich durch die Cataract Operation nicht ändern, das heißt, dass auch die beste torische IOL den unregelmäßigen Astigmatismus bestenfalls teilweise korrigiert. Im schlechtesten Fall verschlechtert sich durch solch eine IOL sogar das Sehergebnis und ist nachher durch eine formstabile Kontaktlinse auch nicht mehr so gut zu korrigieren wie vor der OP.  Am besten lässt sich dies durch ein paar Fallbeispiele erläutern:

1.Fall Keratokonus:

die vorgewölbte Oberfläche der Hornhaut erzeugt einen irregulären Hornhaut-Astigmatismus, siehe Topographie Abbildung 1:

AR:                            sph -5,75   cyl -2,50   A 24°

funktionierende Brille: sph -6,00   cyl -1,50   A 65°  Visus 0,40

Visus mit formstabiler KL: 0,70

Würde man sich hier nun auf die Autorefraktion verlassen, würde das Sehen vermutlich deutlich verschlechtert, weil genau dieser Astigmatismus vermutlich nur für einen sehr kleinen Bereich der Hornhaut stimmen würde. Verlässlicher ist hier die Refraktion. Im besten Fall würde eine entsprechende IOL hier den Visus erreichen, der auch mit der Brille erreicht würde. ABER die Sehleistung, die mithilfe der formstabilen Kontaktlinse erreicht wird, kann durch eine IOL nicht erreicht werden. Es fehlt die überbrückende Korrektur der Kontaktlinse UND der Tränenlinse, die sich zwischen Kontaktlinse und Hornhaut bildet und die Irregularität perfekt ausgleicht. Dabei wird der komplette Astigmatismus korrigiert siehe Abbildung 2. Eine Teilkorrektur in der IOL wäre also bei anschließender Anpassung einer formstabilen Kontaktlinse quasi doppelt korrigiert und würde das Sehergebnis wieder verschlechtern. In einem solchen Fall wäre also geraten eine sphärische IOL einzusetzen und weiterhin mit formstabiler Kontaktlinse zu korrigieren, um die Sehleistung wieder auf vor-Cataract-Niveau anzuheben.

2. Fall Z.n. Keratoplastik:

Die Topographie (Abbildung 3) zeigt ein typisches Profil des Transplantats mit einem sehr hohen, aber recht regelmäßigen Astigmatismus

AR:     sph -0,50   cyl -6,25   A 79°

Brille: sph +1,50  cyl -4,50   A 110°   Visus 0,50

Visus mit bisher getragener torischer formstabiler Kontaktlinse:  0,80

Die bisherige Kontaktlinse kompensiert auch hier den hohen Astigmatismus mit einem sehr guten Sehergebnis. Hier wäre es sicher technisch möglich, den hohen Zylinder in die IOL einzuarbeiten. Hier ist aber zu beachten, dass nur wenige Grad Verdrehung während der OP oder beim Heilungsprozess danach, die Sehleistung massiv beeinflussen würden. Bei nicht idealem Ergebnis wäre dann auch hier die nachträgliche Korrektur mit einer formstabilen Kontaktlinse dann erheblich schwieriger als vor der Cat OP, weil erneut der Zylinder quasi doppelt korrigiert wäre. Um das auszugleichen sind in den meisten Fällen dann hohe Zylinder auf der Vorderfläche der Kontaktlinse notwendig, die erfahrungsgemäß bei Blickbewegungen und Blinzeln zu große Schwankungen verursachen. Das Sehergebnis würde sehr instabil. Somit würde man hier eher ebenfalls zu einer sphärischen IOL raten, es sei denn, der Patient hat noch nie eine formstabile Kontaktlinse getragen oder möchte das zwangsläufig in Zukunft auch nicht mehr.

Fazit: Immer dann, wenn eine irreguläre Oberfläche der Hornhaut vorliegt, sollte deutlich unterschieden werden, ob bisher bereits formstabile Kontaktlinsen getragen wurden, ob das unter Umständen für den Patienten auch nach der OP wieder in Frage kommt oder, ob eine Korrektur mit Kontaktlinse unbedingt vermieden werden soll. Zudem sollte die Topographie genau analysiert werden. Sicher ist: Mit einer IOL kann maximal das Sehergebnis erreicht werden, das auch mit einer Brillenrefraktion erreichbar wäre. Die Frage nach einer multifokalen IOL ist in Fällen mit irregulären Astigmatismen immer mit großer Vorsicht zu betrachten, da die Abbildungseigenschaften der irregulären Hornhaut nie mit denen einer gesunden Hornhaut vergleichbar sind und somit das Operationsergebnis nicht vorhersagbar ist. 

Bei regulären Hornhaut-Oberflächen sind die Ergebnisse nach einer Cataract-Operation für unsere gemeinsamen Patienten in aller Regel sehr zufriedenstellend! Insbesondere Patienten, die bereits vorher mit ihren Kontaktlinsen mit dem Konzept der Monovision vertraut waren und an ein solches Sehen gewöhnt sind, kommen nach einer Cataract-Operation, die einen ähnlichen Seheindruck anstrebt, super zurecht. Gleiches gilt für Patienten, die zuvor bereits multifokale Kontaktlinsen getragen haben. Auch diese Patienten sind schon an die multifokale Optik gewöhnt und vertragen dann auch die neue multifokale IOL sehr gut s. Abbildung 4. Es lohnt sich also auch hier immer genau hinzuschauen, welche Seheinstellung die Patienten zuvor gewohnt waren und ein ähnliches Konzept bei der IOL zu verwenden.

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